Buchhandlung Untertor
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Jan-Philipp Sendker begeisterte uns...

Für alle, die Jan-Philipp Sendker noch nie erlebt haben, empfehlen wir seine Live-Lesung aus seinem Wohnzimmer am 25. März 2020 um 20.30 Uhr via Facebook:
https://www.facebook.com/Jan-Philipp-Sendker-202920949866753

Der Bestsellerautor war zum zweiten Mal im Untertor. Hier seine Bücher und der Bericht der Lesung.

Burma-Trilogie
 

 Fabeln aus Burma
 

 China-Trilogie
 

Die Meditation half in Gefangenschaft (Bericht Untertor-Lesung von 10. März 2020)

Was in Zeiten des Corona-Virus und einschneidenden Massnahmen nur selten gelingt, nämlich den Kopf frei machen für ein völlig anderes Thema, ist dem deutschen Bestsellerautor Jan-Philipp Sendker in der Buchhandlung Untertor letzte Woche gelungen. Er las aus seinem Burma-Roman und begeisterte mit seinen Schilderungen aus diesem fernen Land.

Sendker arbeitete als Asien-Korrespondent des Sterns und nahm sich 1999 einen unbezahlten Urlaub, mit dem Ziel einen Roman zu schreiben. Sein Debütroman «Das Herzenhören» fand mit Glück einen Verlag in New York und erschien 2002 auf Deutsch. Der Erfolg liess einige Zeit auf sich warten. Dank Mund-zu-Mund-Propaganda wurde die in Burma angesiedelte Geschichte zum Mega-Bestseller. Heute hat er insgesamt über vier Millionen Bücher verkauft und seine Romane werden in 35 Sprachen übersetzt.

Sendker las in der vollen Buchhandlung Untertor aus seinem dritten und abschliessenden Burma-Band «Das Gedächtnis der Herzen». Wobei lesen, das stellte er gleich zu Beginn klar, wollte er nicht viel – umso mehr erzählte und berichtete er aus Burma. Was beim Publikum sehr gut ankam, denn Sendker erzählt aus einem Guss mit vielen spannenden Anekdoten, welche das Land und seine gesellschaftlichen Strukturen aufschlüsseln.

Sendker geht es um das Verständnis füreinander, um das Gemeinsame aller Menschen. So schildert er die extremen Veränderungen, die das asiatische Land durchmacht mit allen negativen Veränderungen wie Abfall usw. Doch er schafft gleichzeitig Verständnis für die Verhältnisse, will nicht als Westler anklagen. Inspiration für das Buch war ihm die Biografie eines burmesischen Freundes, der als Journalist acht Jahre in grässlicher Gefangenschaft leben musste und vom Regime gefoltert wurde. Dank der Meditation konnte sein Freund seine Wut hinter sich lassen und sich befreien von der Macht der Peiniger.

Die Politik nahm in der anschliessenden Diskussion einen grossen Raum ein, insbesondere die Vertreibung der Rohingya 2017. Sendker relativierte die Demokratisierungsprozesse rund um Aung San Suu Kyi und zeigte ihre grosse Abhängigkeit vom Militär. Schon vor vier Jahren hat er nach Abschluss seiner China-Trilogie die Buchhandlung Untertor besucht. Letzte Woche nun gestand er, dass er nach seinen kritischen China-Büchern sich nicht mehr in dieses Land traue. Das wird ihm mit Burma nicht passieren. Sein Roman liest sich als Familiengeschichte, weniger als Regimekritik.

Weit weg von Burma und mitten in der Coronakrise, einmal weniger abgelenkt, einmal mit mehr Unsicherheit, einmal in unserem Bewegungsradius eingeschränkt – da haben wir plötzlich mit uns zu tun. Nicht genau so wie der Freund von Sendker acht Jahre lang im Gefängnis, aber wir werden offen für ganz universelle Fragen, wie sie dieser Autor zu stellen weiss.

Samuel Budmiger